Das 2000 Jahre alte Tantra ist, ähnlich dem Kamasutra, eine altindische
Liebeslehre, die sich allerdings auf einer höchst disziplinierten Form der
körperlichen Liebe begründet. Diese Disziplin soll Körper, Geist und
Emotionen stärken und kontrollieren, um damit höchste Lust zu erreichen. Das
ursprüngliche Tantra besteht aus einem einwöchigen Liebesritual - den sieben
Nächten des Tantra. Zu Beginn dieses Rituals entkleiden sich die Partner
gegenseitig, baden gemeinsam und genießen zusammen einen guten Wein. Der
körperliche Teil des Tantra setzt sich zusammen aus dem Wahrnehmen und dem
Berühren der Körperteile des Partners in einer genau festgelegten
Reihenfolge und dem Koitus in bestimmten Stellungen. Während dieser
Prozeduren müssen die Partner monotone meditative Worte, sogenannte Mantras,
wiederholen. Sogar die Mahlzeiten sind in ihrer Beschaffenheit während
dieser Prozedur festgelegt. Völlig ausgeschlossen ist unkontrollierte Lust.
Die Partner müssen sich auch in ihrer Ekstase beherrschen können und dürfen
sich nicht einfach in wilder Wollust lieben.